00:11
Herzlich Willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Es ist eine Vollmondnacht, das heißt Zeit für gruselige Geschichten bei uns im Krimi. Mein Name ist Wolfram Möll und bei mir ist eine Frau, die kaum erkennen mag. Ihr müsst euch vorstellen, hier im Hörspielstudio wabert dichter Nebel. Es ist feucht-kalt. Da hinten im Wasser...
00:37
Taucht etwas auf. Seine Schlange ist ein Drache. Man weiß es nicht. Man hört einen Hund heulen. Da war es ein Wolf. Und doch, diese Frau, jetzt sehe ich sie besser. Sie hat einen karierten Schottenrock an. Susanne Jansson.
00:50
Hallo Wolfram. Tragen Frauen Schottenröcke?
00:53
Moderne Schottenrockmuster. Moderne Schotten, ja. Oder Schottenhosen vielleicht. Schotten in Hosen.
00:59
Ich weiß ja nie, wohin du mich mitnimmst, mit welcher Frage du mich überfällst in deiner Anmoderation. Und schade, dass du den Hund schon erwähnt hast, weil ich dachte, ich bin der Hund, der aus dem Wasser kommt und so mit fluorisierender Farbe angemalt ist, wie bei Sherlock Holmes. Und dann wusste ich aber, nein, ich bin Mr. Burns. Gibt so eine wunderbare Simpsons-Folge, wo er auch so durch den Wald rennt und leuchtet und die Leute in Angst und Schrecken versetzt. Ich versetze dich aber nicht in Angst und Schrecken, oder? Ich mache dir ein wohliges Lagerfeuergefühl in deinem Bauch.
01:29
Du schon, aber die heutige Hörspielfolge hat sich das genau vorgenommen. Angst und Schrecken versetzen, das Blut in den Adern gefrieren lassen. Wir sind wieder bei Verzähl du das im Ferima, unterdessen schon der vierten Folge angelangt aus dem Jahr 1955. Und ihr ahnt es schon, es geht eben nach Schottland.
01:48
Genau, wir fahren mit dem Omnibus von Glasgow in den Forest, den Darkmoor Forest. Und dass dieser Weg kein einfacher sein wird, das werden alle Mitfahrenden bald zu spüren bekommen.
01:59
Und was natürlich für uns immer wieder schön ist, da wir ja diesen Podcast moderieren dürfen, haben wir ein besonderes Vergnügen, wenn wir so unsere historischen Vorgänger und Vorgängerinnen hören können. Und so auch diesmal, es gibt einen Ansager, der erstmal erklärt, was das überhaupt ist. Verzählst du das Emferima, was dieser Spruch bedeutet in Basel. Und der dann sogar noch fließend und elegant überleitet in die eigentliche Geschichte. Könnten wir auch mal machen bei einem neuen Krimi. Dass du dann vielleicht die Erzählerin bist.
02:29
Also Rituale sind dafür da, dass sie wiederholt werden und auch wenn ihr schon wisst, was Verzähl du das im Ferima bedeutet. Genießt es ab der ersten Minute.
02:38
Viel Vergnügen bei der vierten Ausgabe.
02:53
Das geht's doch gar nicht.
02:54
Verzähl du das im Ferima.
03:08
«Verzähl du das im Fährima», sagt man in Basel, wenn einem eine Geschichte erzählt wird, die man nicht glauben kann oder nicht glauben will und lacht ein bisschen dazu. Aber das ist nicht immer ein gutes Lachen. Manchmal ist es ein bisschen gequält und ein wenig gekünstelt und es ist einem auch nicht ganz wohl dabei. Das ist doch dumm Züge, das.
03:30
«Verzähl du das im Fährima!»
03:47
Nun hören Sie sich wieder einmal ein paar solcher Geschichten an. Kommen Sie mit uns in ein Land, das sich für solche Geschichten wie kein anderes eignet nach Schottland.
03:58
Kommen Sie mit auf eine der langen, endlosen Strassen, die sich zwischen grauen Hügeln und dunklen Felsen verliert und dann wieder ein wenig durch bläuliches Hochmoor führt, von verwelkten Gräsern bestanden und übersät mit Weiden, durch die der Wind leise pfeift. Sehen Sie die Strasse vor sich und hören Sie nun auch das Geräusch des Omnibuses, der unglaublich verloren und gespenstisch einsam durch dieses sonderbare Land und dieses seltsame Zwielicht fährt.
04:31
Oh nein, es ist kein Gespensterbus, so wie es etwa Gespensterschiffe gibt. Es ist ein regulärer Bus auf der Strecke von Glasgow nach Darkmore Forest. Und es sitzen richtige, lebendige Menschen in ihm. Vorne am Steuer ein schwerer, rothaariger Mann, der seine Mütze in den Nacken geschoben hat, die Augen in das Halbdunkel bohrt und ein bisschen vor sich hin pfeift, vielleicht um sich wach zu halten.
04:57
Im Fond des Busses sitzt zunächst ein sehr gepflegt aussehender Herr mit malerisch grau melierten Schläfen und einer Krawatte, die eine Spur zu bunt ist. Das ist Mr. Higgins. Nun, Sie kennen doch Higgins, den Drehbuchautor, der mit der, ähm, verheiratet war, nun, mit dieser Blonden aus Siegfeld-Fallis, dieser Higgins. Auf der anderen Seite döst ein Mann, der dabei ein bisschen vor sich hinschnarcht.
05:22
Er sieht so im Halbschlaf mit leise herabgeklapptem Mund etwas blöde aus. Das ist er aber gar nicht. Wie könnte er auch? Es ist James D. Wayne, der mindestens sieben Banken kontrolliert und 34 Aufsichtsräte präsidiert. Und dann sind da noch zwei Damen. Eine jüngere, das ist Miss Jerkins. Ich glaube, sie ist Manquin oder so etwas und liest in einem Buch. Desiree. Nun ja...
05:48
Und dann die andere, eine ältere, das ist Mrs. Moore. Und alles, was man von ihr sagen kann, ist, dass sie eine Witwe ist mit sehr viel Geld.
05:57
Ja, und das sind schon alle Personen in diesem Bus, der da durch das Hochmoor fährt.
06:25
Au! Du Verfluchte! Was ist denn los?
06:28
Was hat es denn gegeben? Ist doch was passiert? Warum halten wir es denn? Warum haben Sie denn gebremst?
06:31
Ich nur wissen, wo das Verfluchtevieh herkommt.
06:34
Was für ein Vieh denn?
06:35
Das Katzevieh. Eine Katze? Ja, das Mistück ist mir direkt in den Kühler gelaufen.
06:39
Ist sie tot?
06:40
Weiß ich nicht, glaube ich nicht. Katzen sind zäh. Schauen Sie doch mal nach. Wozu? Na ja, ob sie nicht verletzt ist. Was fällt dir gerade noch? Das Vieh hat schon genug angerichtet. Wieso? Also was bringt doch Unglück. Blödsinn. Fragen Sie das nicht. Ich könnte Ihnen Geschichten erzählen.
06:55
Aber keine, die ich nicht schon kenne und bestimmt keine, die ich glauben würde.
06:58
Wie Sie meinen, Madame?
07:00
Ich weiß nur, dass ich heute noch Pech haben werde. Und wenn nicht heute, dann morgen. Blödsinn.
07:05
Wollen wir nicht lieber weiterfahren? Ich möchte heute noch in Darkmoor sein.
07:08
Bitte, fahren wir weiter. Was machen Sie denn da? Ich spucke dreimal über die linke Schulter.
07:16
Unhygienischer Mensch.
07:17
Kann sein, aber es hilft.
07:19
Gegen was?
07:20
Gegen das Pech.
07:21
Nun, wenn Sie meinen, dass das Pech so primitiv reagiert.
07:24
Nun, fahren wir oder fahren wir nicht? Wie Sie wollen.
07:37
Es ist nicht zu fassen. Was, Mrs. Moore? Es ist tatsächlich nicht zu begreifen, dass es das noch gibt.
07:43
Was noch gibt?
07:43
Ein solcher Aberglauben. Nur weil eine arme Katze von den Scheinwerfern aufgesteckt über die Straße springt, glauben die Leute an ein Unglück. Und dabei heißt es in jedem besseren Geschichtsbuch, das Mittelalter aber im 16. Jahrhundert aufgehört. Nun ja. Ich bin überzeugt, wenn wir ihm noch zwei Minuten zugehört hätten, hätte er von Gespenstern angefangen.
08:03
Gespenstern mit Kopf, Gespenstern ohne Kopf, Gespenstern mit ohne...
08:07
Was sagen Sie denn gegen Gespenstermänner?
08:09
Nur ist mein Name.
08:10
Erfreut. Hey geht's.
08:13
Was ich gegen Gespenster habe? Nichts eigentlich. Sie langweilen mich bloß. Ich habe schon zu viel von Ihnen gehört und so gar nichts davon gesehen.
08:21
Na, vielleicht sind Sie nicht Ihr Typ.
08:26
Sind Gespenster so wählerisch?
08:28
Um Ihnen diese Frage zu beantworten, da kenne ich Sie tatsächlich noch zu wenig.
08:32
Gott sei Dank, es freut mich, dass Sie auch nicht an solchen Blödsinn glauben. Und an diese Geschichten von Leuten, die wiederkommen und schabernackt bleiben und Furcht verbreiten. Und an die Geschichten von Wahrsagern, die wirklich wahr sagen und von den Träumen, die sich erfüllen.
08:46
Mrs. Moore, ich glaube, Sie sind ein bisschen absolut. So ganz und gar lassen sich diese Sachen doch nicht von der Hand reisen.
08:53
Schau doch an! Und ich habe immer gedacht, die Amerikaner sind ein modernes Volk.
08:58
Ich glaube nicht, dass das etwas mit modern oder unmodern zu tun hat. Ich glaube ganz einfach, dass es Dinge gibt, die... Lassen wir das.
09:06
Nein, bitte, Mr. Higgins, lassen wir es nicht. Ich höre Sie etwas furchtbar gerne.
09:10
Nein, nein, lassen wir es lieber. Mrs. Moore ist ohnehin dagegen.
09:14
Ich habe Ihnen schon gesagt, ich bin nicht dagegen. Ich glaube es nur nicht.
09:18
Das sollen Sie auch gar nicht. Sie sollen nur die Möglichkeit bestehen lassen, dass Dinge passieren, die wir Zufall nennen, weil wir sie noch nicht begreifen. Zum Beispiel? Zum Beispiel war es mir.
09:29
Bitte, Mr. Higgins, erzählen Sie doch.
09:33
Ich weiß nicht recht.
09:34
Bitte.
09:36
Bitte, es ist mir so wichtig.
09:38
Was einem dabei wichtig sein kann?
09:41
Nun, Mr. Wayne? Erzählen Sie bitte. Mrs.
09:45
Moore? Ich füge mich. Aber seien Sie bitte nicht beleidigt, wenn ich dazwischen etwas einschlafe.
09:51
Wie Sie meinen. Schlimmstenfalls kann ich Sie ja kurz vor der Pointe wecken. Nun, also, das war so. Endlich läutete das verfluchte Telefon.
10:06
Wissen Sie, was es heißt, zwei Monate lang in einem engen, übel riechenden Hotelzimmer sitzen zu müssen? Mit ein paar armseligen Dollars in der Tasche, einer Schreibmaschine und der schon beinahe aufgegebenen Hoffnung, dass der allgewaltige Producer in Hollywood sein Versprechen halten werde und jetzt endlich eine knappe Stunde seiner kostbaren Zeit übrig habe, um einen Filmentwurf, den man ihm eingereicht hatte, zu diskutieren.
10:32
Ja? Wie geht's?
10:37
Ach, Sie sind's, Miss Dolly. Nun?
10:40
Alles okay. Sie können sich gratulieren und mehr Horchideen mitbringen. Der Alte will Sie sehen.
10:44
Wann?
10:45
Morgen Mittag, 12.30 Uhr in New York. Was? Na ja, er hat abends Premiere von gefundenen Jahren. Grandioser Film übrigens. Ronald Cohn und großartig. Die Gassen eine zweite Garbo. Hoffen wir nur, ihre wird auch so gut.
10:56
Morgen schon? Ja, aber hören Sie, wie komme ich denn von Philadelphia nach New York?
10:59
Alles schon erledigt, Stan. Ihr Flugschein liegt bei der Pan American. Wir brauchen ihn nur abzuholen. Um sieben flattern Sie los und um zwölf Uhr dreißig melden Sie sich in Waldorf. Aber bitte ausnahmsweise einmal pünktlich, Stan. Sie wissen, der Alter hat keine Sekunde zu viel. Ist das klar?
11:12
Ja, klar wie nur etwas. Danke, Miss Dolly.
11:14
Nicht zu danken, Stan. Und vergessen Sie die Orchideen nicht.
11:19
Endlich, dachte ich.
11:22
Endlich, endlich, endlich.
11:24
Zwei Monate lang hatte ich darauf gewartet, bis Mr. Daniel F. Myers die Güte haben würde, sich meine Liebe im April einmal anzusehen und mir dann den endgültigen Auftrag für das Drehbuch zu geben.
11:35
Und jetzt endlich sollte es sich entscheiden, ob ich weiter ein kleiner Journalist an der Philadelphia Sun bleiben oder ein Drehbuchauto mit 1000 Dollar in der Woche in Hollywood werden würde.
11:44
Tausend Dollar. Wenn Sie wüssten, was das damals für mich bedeutete. Es war ungefähr doppelt so viel, wie ich mir ein Geld überhaupt vorstellen konnte. Tausend Dollar. Ab morgen. Ich ging früh zu Bett, aber ich konnte lange nicht schlafen. Ich war zu nervös. Dauernd ging mir meine Liebe im April im Kopf herum. Ich fand alles, was ich geschrieben hatte, absolut blödsinnig und hochgradig idiotisch. Und dann überlegte ich mir, dass es dem Alten vielleicht gerade deshalb gefallen hatte.
12:12
Schließlich gab ich das Denken auf und telefonierte dem Portier, er möchte mich am anderen Tage pünktlich um sechs Uhr wecken und nachdem mir die Zigaretten ausgegangen waren, nickte ich endlich doch ein. Und dann hatte ich einen scheußlichen Traum.
12:29
Musik
12:41
Ich ging zum Flugbüro der Pan American und trat an den Schalter New York.
12:48
Was darf es für Sie sein, Mr.?
12:51
Ich habe einen Platz für New York gebucht, im 7-Uhr-Flugzeug. Wie sagten Sie, war doch Ihr Name? Ich sagte es gar nicht, aber er ist Higgins.
12:59
Vielen Dank, Mr. Higgins. EFGH Hankman Hill Higgins. Higgins, okay. Hier ist Ihr Flugschein. Die National Alliance Film haben für Sie gebucht, nicht wahr?
13:14
Ja.
13:15
Gute Reise, Mr. Higgins.
13:16
Danke. Dann träumte ich, ich säße im Flugzeug. Das war ein kalter Wintertag. Die Flügel der Maschine waren dick vereist und bald auch die Fenster. Ich langweilte mich und wandte mich an eine Dame, die neben mir saß und in einem Magazin las. Nur um etwas zu sagen, fragte ich sie, ob sie auch nach New York fliege.
13:51
Nachdem es etwas unangenehm sein dürfte, in 3000 Metern Höhe auszusteigen, möchte ich sagen, ja.
13:57
Entschuldigen Sie, das war tatsächlich äußerst dumm gefragt.
14:00
Kann vorkommen. Aber dass Sie nicht nur dumm fragen, sondern mich jetzt auch noch so dumm anstarren? Das müsste doch wohl nicht sein, oder?
14:07
Ich... Es ist nur... Entschuldigen Sie, aber Sie erinnern mich an jemanden... An Carol Lambert. Ja, natürlich, an Carol Lambert.
14:17
Na, da muss ich es wohl zugeben. Ich bin Carol Lambert. Sie sind Carol?
14:22
Ja, aber die... Die ist doch... Die ist doch seit Jahren tot. Ja.
14:37
Das konnte doch nicht sein. Das war ganz und gar verrückt.
14:41
Nein, es war unheimlich. Aber es wurde noch schlimmer.
14:47
Doch, doch, mein Lieber, ich bin Carol Lambert. Carol Lambert, die viel gepriesene, viel geliebte Filmschauspielerin, mit einem Flugzeug auf einem Baum in Ohio abgestürzt und anschließend viel beweint.
14:59
Herr Berensi... Wenn Sie das sind, wie... wieso können Sie dann hier in diesem Flugzeug sitzen? Och, das ist ganz einfach.
15:07
Manchmal fliege ich auch jetzt noch. In Flugzeugen, die kurz vor ihrem Ziel auf einem Baum oder etwas ähnliches fallen. Und manchmal sieht mich irgendein besonders hellsichtiger junger Mann. Und der weiß dann schon ein bisschen vorher, dass... das...
15:21
Nun ja... Ich hab... das ist doch... das kann doch... das...
15:34
Ich war ein regelrechter Todesangst. Ich wusste, dass jetzt etwas Entsetzliches passieren würde. Etwas, wovon morgen der Philadelphia Sun eine ganze fett gedruckte erste Seite bringen würde. Etwas...
15:47
Sie lachen?
15:48
Nun ja, Sie sehen tatsächlich so aus, als ob Sie alles geglaubt hätten.
15:53
Was geglaubt?
15:54
Nun, die ganze Geschichte mit der guten Carol Lambert.
15:56
Ja, ist es denn nicht wahr?
15:59
Ach, junger Mann, merken Sie sich Folgendes. Mein Name ist Phyllis Morgan und ich bin Modezeichnerin in New York. Wenn man mich aber irgendwo anquatscht, dann erzähle ich auch Quatsch, verstanden? Und jetzt möchte ich meine Vogue zu Ende lesen. In Ruhe, bitte.
16:13
Aber natürlich...
16:15
Entschuldigung.
16:16
Bitte. Gern geschehen.
16:31
Sie können sich nicht vorstellen, wie beruhigt ich war. So beruhigt, dass ich dem Mädchen trotz des dummen Scherzes nicht einmal böse war. Aber dann hörte ich plötzlich, wie eine der Motoren aussetzte.
16:45
Und dann schrieb plötzlich jemand. Und dann gab es ein dumpfes Geräusch. Und dann noch mehr Schreien und Feuer und Lärm. Und dann ein Gefühl, wie wenn man endlos in die Tiefe fällt. Und dann ein dröhnender Aufschlag.
16:56
Und dann eine lange Stille.
17:08
Und dann? Hallo? Ja?
17:14
Morgen, Mr. Hickens.
17:16
Wer spricht?
17:17
Ich, der Partier. Ich soll Sie um sechs Uhr wecken. Es ist sechs Uhr.
17:23
Ach so. Danke. Vielen Dank.
17:43
Es war, wie gesagt, ein scheißlicher Traum gewesen. Und eine Weile stand ich noch ganz unter seinem Eindruck. Aber nach einer Tasse heißen, starken Kaffees und einer Zigarette konnte ich schon ein bisschen über das Geträumte lachen und mir erklären, wie es zustande gekommen war. Es war schließlich auch ganz einfach. Das bisschen Angst, dass man vor dem Fliegen immer hat, meine monatelange Arbeit an einem Filmstoff, Manchmal der Gedanke, dass die Frau am besten von Carol Lambert gespielt worden wäre, wenn es Carol Lambert noch gegeben hätte, und die Nervosität vor dem Rendezvous mit Daniel F. Myers.
18:16
Der Fall war klar. Jedenfalls schien er mir klar, bis ich vor dem Schalter New York bei der Panamerican stand.
18:24
Was darf es für Sie sein, Mister?
18:27
Ich habe einen Platz für New York gebucht, im Siebenüberflugzeug.
18:31
Wie sagten Sie, war doch Ihr Name?
18:32
Ich sagte es gar nicht, aber er ist Higgins.
18:34
Vielen Dank, Mr. Higgins. EFGH Hankman Higgins. Higgins, okay. Hier ist Ihr Flugschein. Die National Alliance-Filme haben für Sie gebucht, nicht wahr?
18:49
Ja, doch, die haben...
18:53
Was ist mit Ihnen los? Ist Ihnen nicht gut?
18:56
Doch, mir ist...
18:59
Sie sehen ja ganz blass aus. Soll ich Ihnen vielleicht irgendetwas zu trinken bringen?
19:04
Der Mann musste meine Schrecken bemerkt haben. Aber ich konnte ihm doch nicht sagen, dass ich ein paar Stunden vorher dieses ganze Gespräch wortwörtlich geträumt hatte. Die Frage nach meinem Namen, die Art, wie er mit dem Finger der Passagierliste entlang fuhr, Murmend E, F, G, H, Hankman, Healy, Higgins, alles.
19:21
Er hätte mich ausgelacht. Ich konnte einfach nichts sagen.
19:25
Wenn Sie etwa eine Cognac haben wollen, ich lasse Ihnen gerne einen kommen.
19:29
Nein, nein, danke. Es ist alles okay. Nur, darf ich Sie etwas fragen? Bitte. Steht auf Ihrer Liste eine Miss Phyllis Morgan?
19:40
Einen Augenblick. Nein, keine Miss Morgan. Bestimmt nicht? Nein, nein, ganz bestimmt nicht. Vielen Dank. Danke vielmals. Keine Ursache.
20:13
Nun, ich setzte mich also wieder etwas beruhigt in das Flugzeug.
20:16
aber dieser Zustand dauerte nicht allzu lange. Als ich durchs Fenster blickte, sah ich die vereisten Flügel der Maschine und nach einer Weile überzogen sich auch die Fenster mit Eis und es war alles genau so, wie ich es geträumt hatte. Bis auf eines. Neben mir saß keine blonde Dame, sondern ein Mann in mittleren Jahren, der friedlich schnarchte und weder mit Carol Lambert noch sonst mit einem Filmstar auch nur die geringste Ehrlichkeit hatte.
20:46
Nun, nachdem mindestens zwei Stunden lang nichts Außergewöhnliches passiert war, löste sich meine Nervosität allmählich. Aber dann hörte ich plötzlich etwas, was ich im Traum auch ganz deutlich gehört hatte. Es war kein Zweifel möglich. Ein Motor begann auszusetzen. Nun wusste ich, dass mein Traum doch noch wahr werden würde. Anders, ohne die Begegnung mit dem Mädchen, das aussah wie Carol Lambert.
21:17
Aber doch mit dem gleichen Ende. Mit dem Baum oder dem Feld und dem Fall und dem dumpfen Schlag und dem Schrein und dem Feuer und... Verehrte Fluggäste, hier spricht David Fitzgerald, der Pilot dieses Flugzeuges.
21:29
Aus Sicherheitsgründen sind wir leider gezwungen, unseren Flug nach New York durch einen Zwischenhalt in Boston zu unterbrechen. Stallen Sie sich bitte an, es besteht absolut kein Grund zur Aufregung. Dies ist eine reine Sicherheitsmaßnahme. Danke.
21:43
Ich hatte es ja gewusst. Ich war ja gewarnt. Und ich, Trottel, hatte nicht darauf gehört. Ich war zu aufgeklärt, zu gebildet, zu modern gewesen, um meinem Traum irgendwelche Bedeutung beizumessen. Und ich hatte ganz einfach das Rendezvous mit Meyers nicht verpassen wollen und hatte mein Leben weniger hoch eingeschätzt als meine Karriere. Und nun hatte ich die Strafe.
22:04
Aber das Flugzeug landete sicher und glatt in Boston und nicht das Geringste passierte. Wir verließen das Flugzeug und die Stewardess sagte zu jedem Passagier,
22:15
In 40 Minuten fliegt eine Kursmaschine nach New York, die Sie mit dem gleichen Flugschein benutzen können. Wir bedauern die kleine Verzögerung und dürfen Sie vielleicht zu einem kleinen Drink in die Flugplatzbar einladen.
22:24
Danke.
22:25
In 40 Minuten fliegt eine Kursmaschine nach New York...
22:28
Nun, ich ging zur Bar hinüber und setzte mich an einen kleinen Tisch. Ich bestellte mir einen Whisky und blätterte ein bisschen in den Zeitungen und Magazinen, die zufällig herumlagen, in der New York Times, in der Tribune, im Live und in der Vogue.
22:42
Könnte ich vielleicht meine Zeitungen haben?
22:45
Oh, pardon. Ich habe nicht gewusst.
22:47
Ich habe... Also, dass Sie ohne zu fragen in meinen Magazinen herumblättert, ist an sich schon seltsam genug. Da brauchen Sie mich nicht auch noch so anzustarren.
22:55
Es ist...
22:57
Es ist nur... Schon gut. Bis dann.
23:00
Einen Augenblick, bitte.
23:02
Nun.
23:03
Ich heiße Higgins.
23:05
Ihr Fehler.
23:06
Bitte, bitte werden Sie mir sagen, wie Sie heißen?
23:10
Nachdem es kein Staatsgeheimnis ist. Phyllis Morgan.
23:14
Und jetzt darf ich wohl gehen. Fürs Morgen.
23:18
Miss Morgen, sagen Sie mir noch etwas. Fliegen Sie nach New York?
23:22
Das war meine Absicht. Aber wenn ich noch lange hier herumstehe, wird wohl nichts daraus werden. Also adieu.
23:28
Miss Morgen, fliegen Sie nicht. Fliegen Sie nicht mit diesem Flugzeug.
23:33
Warum nicht?
23:34
Weil ich muss damit fliegen. Ich fliege mit diesem Flugzeug.
23:40
Das wäre zwar ein Hinderungsgrund, aber doch wohl kein ausreichender.
23:44
Bitte, bitte fliegen Sie nicht. Sie dürfen nicht. Es gibt ein Unglück.
23:49
Ein Unglück, junger Mann, ist es, wenn man schon vormittags Whisky trinkt und es durchaus nicht verträgt. Und jetzt lassen Sie mich bitte in Ruhe. Ich habe nicht gerne mit Polizisten zu tun. Und Sie sicher auch nicht.
24:01
Hm.
24:02
Betrinkt sie schon am hellen Vormittag.
24:09
Zeit?
24:12
Ja. Und damit ging sie. Aber ich selber ging nicht. Ich blieb sitzen, trank noch einen Whisky und wusste, dass ich nicht mehr zur Zeit nach New York komme und dass Meyers mir das nie verzeihen würde.
24:26
Und dann trat ich ans Fenster...
24:28
und sah, wie sich das Flugzeug langsam in die Luft erhob, wie es in einer flachen Kurve über den Flugplatz zurückkam, und dann...
24:43
Danke.
24:48
Wie bitte?
24:49
Danke, Mr. Higginsch.
24:51
Miss Morgan?
24:54
Sie? Ja, ich habe die Maschine nicht mehr erreicht. Bestellen Sie mir bitte jetzt auch ein Whisky. Ich bin diesem Getränk sehr zu Dank verpflichtet.
25:19
Nun, Mrs.
25:21
Moore, was sagen Sie jetzt?
25:24
Ja.
25:24
Ich sage Blödsinn. Allerdings. Allerdings? Für einen Hollywood-Autor allerdings gar nicht unbegabt erfunden.
25:33
Mrs. Moore, die Geschichte ist nicht erfunden. Ich könnte sie beweisen.
25:37
Selbstverständlich. Durch Miss Morgan? Wie kommen Sie auf... Miss Morgan ist doch selbstverständlich Ihre Frau geworden.
25:44
Ja, aber woher wissen Sie das?
25:46
Es wäre die erste Geschichte aus Hollywood, die ohne Heirat abginge. Sie sind eine Zynikerin, Mrs. Moore. Nein, ich bin nur normal und ich habe wirklich mein...
25:58
Was habe ich gesagt? Was ist denn? Ich habe ja gesagt, das Vieh bringt Unglück.
26:04
Die Katze? Ja. Und das Unglück? Dass ich mich verfahren habe. Seit 16 Jahren fahre ich diese Strecke und jetzt habe ich mich verfahren. Alles wegen dem Drecktier.
26:13
Alles, weil Sie während der Geschichte von Mr. Higgins eingeschlafen sind. Sonst nichts.
26:17
Wegen der Katze. Wenn ich nur wüsste, wo wir sind. Haben Sie denn keine Karte? Wozu brauche ich eine Karte? Ich kenne diese Gegend wie meine Hosentasche.
26:25
Scheint so.
26:26
Was passiert weiter? Ich werde eben aussteigen und das Stück zurücklaufen. Ich habe das Gefühl, ich bin vorhin über eine Kreuzung gekommen. In zehn Minuten bin ich zurück.
26:41
Das kann einen ja freuen. Was machen wir jetzt?
26:45
Warten.
26:46
Und während des Wartens?
26:48
Vielleicht erzählt Mr. Higgins noch eine Geschichte?
26:51
Sie überschätzen mich. Ich habe keine mehr. Gott sei Dank.
26:54
Oder jemand anderes?
26:56
Wie wäre es mit Mrs. Moore?
26:57
Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, ich bin normal.
27:00
Aber Sie sollten doch einsehen, dass es zumindest komisch ist, dass sich unser Chauffeur gerade heute Abend verfahren hat. 16 Jahre fährt er die Strecke. Da läuft ihm eine Katze über den Weg und er fährt falsch. Das ist doch sonderbar.
27:12
Was finden Sie daran sonderbar? Dass er das Schicksal für seine eigene Unzulänglichkeit verantwortlich macht, das ist doch etwas durchaus Gewöhnliches. Das tun alle.
27:21
Tja, und es gibt Fälle, in denen jemand etwas zustößt, für das er nichts kann und die durch nichts zu erklären sind.
27:30
Oh, das klingt wie der Anfang einer Geschichte.
27:33
Ja, man könnte es so nennen.
27:34
Erzählen Sie.
27:35
Bitte. Bitte.
27:38
Nun, Sie wissen, ich bin Bankier wie mein Vater.
27:55
Meine Herren, ich habe Sie zu dieser Sitzung gebeten, um mit Ihnen einen ebenso seltsamen wie bedauernswerten Vorfall zu besprechen, der sich in unserem hiesigen Bankhaus ereignet hat.
28:07
Es handelt sich um eine Veruntreuung in der Höhe von 1200 Pfund, die der Hauptkassier James Collin nach seinen eigenen Angaben begangen hat.
28:19
Mein Vater war Präsident eines internationalen Bankkonsortiums. Ich arbeitete damals selbst in einer der Filialen in London und mein Vater nahm mich manchmal zu Aufsichtsratssitzungen mit, um mich als einen derzeitigen Nachfolger auch in diese Seite des Geschäftes einzuführen. Die Sitzung, um die es sich hier handelt, fand an einem strahlenden Mai-Morgen in dem kahlen Konferenzzimmer unserer Bank in South End on Sea statt, einem kleinen Küstenstädtchen in der Grafschaft Essex.
28:51
Bitte lassen Sie jetzt Mr.
28:54
Colleen hereinkommen. James Colleen war ein kleiner, etwas dicklicher älterer Mann mit unsicheren Bewegungen und den blinzeln zusammengekniffenen Augen eines Kurzsichtigen. Er machte in seinem abgetragenen dunklen Anzug einen äußerst bescheidenen, aber nicht unsympathischen Eindruck. Im Gegenteil, er war genau das, was man sich unter einem zuverlässigen Beamten vorstellt.
29:23
Sie sind James Colley?
29:25
Jawohl, Sir.
29:26
Wie alt sind Sie?
29:28
53 Jahre, Sir.
29:30
Sie sind Hauptkassierer in dieser Bank?
29:33
Ich war Hauptkassierer. Seit wann? Seit 28 Jahren.
29:39
Mr. Colley, Sie haben sich selbst der wiederholten falschen Buchführung sowie der Veruntreuung von 1200 Pfund Sterling bezichtigt. Wir haben Ihre Aussagen nachprüfen lassen, Und ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie nur zu genau stimmen. Was haben Sie dazu zu sagen?
30:02
Das war also der Tatbestand. Dabei schien es so absurd, dass ein Mann wie James Colleen, nachdem er 28 Jahre lang dem Bankhaus treu und redlich gedient hatte, ohne dass jemals auch nur die geringste Ungenauigkeit vorgekommen wäre, ein Mann von 53 Jahren, Junggeselle, als äußerst solid bekannt und überall geschätzt und geachtet, dass dieser Mann jetzt plötzlich 1200 Pfund veruntreut haben sollte.
30:26
Gut, es gibt Fälle von plötzlich ausbrechender Leidenschaft, von einer späten Begegnung mit der Liebe, aber das schien hier alles nicht in Frage zu kommen. Und dann die seltsame, zögernde Art, wie er nach einer endlosen Pause zu sprechen anfing.
30:42
Ich kann nichts weiter sagen. Ich kann es auch nicht erklären. Was haben Sie denn mit dem Geld gemacht?
30:50
Nichts. Es ist abgehoben worden. Von wem? Von... Nein, ich habe bereits gesagt, dass ich nichts erklären kann.
31:00
Mr. Colley, wir sind nicht hier, um Sie um jeden Preis zu verurteilen. Unsere Aufgabe ist es, die Wahrheit herauszufinden. Und deshalb dürfen Sie nichts verschweigen, was uns zu dieser Wahrheit führen kann.
31:13
Die Wahrheit ist etwas sehr Schwieriges. Manchmal sieht sie wie Unwahrheit aus. Ich kann nichts erklären.
31:24
Ich bin schuldig. Also hören Sie zu, Mr. Collin, das hat ja alles keinen Zweck. Erzählen Sie uns die ganze Geschichte...
31:32
Es sah beinahe so aus, als wollte Collin mit aller Macht verurteilt werden. Aber da war etwas Ungreifbares hinter der Geldgeschichte. Ein seltsamer Schatten, ein undefinierbares Etwas.
31:44
Mein Vater brachte schließlich Colin durch langes Zureden und eine Masse Geduld dazu, eine zusammenhängende Schilderung von dem zu geben, was er nicht erklären konnte.
31:55
Also ich, Sie kennen vielleicht Major Hunter, er ist in beiden beiden gelähmt von Indien her. Er ist ein Sonderling, hat keine Bekannten und nichts. Er wohnt in einem kleinen Häuschen draußen am Strand, ganz allein. Nur mit seiner Nichte, die ihm einen Haushalt besorgt.
32:13
Entschuldigen Sie, wenn ich so weitschweifig bin, aber irgendwie gehört das alles dazu. Eben Sie ruhig, wir sind da, um Sie anzurehren, Mr. Collin. Also...
32:25
Rosalie Brooke, so heißt das Mädchen, seine Nichte, ist nicht schön, aber nett, scheu und ruhig. Sie kommt an jedem ersten Dienstag im Monat pünktlich um 10.30 Uhr zu mir an den Schalter und legt einen unterschriebenen Scheck des Majors vor. Und den löst sie ein, immer genau 100 Pfund. Der Major hat sein ganzes Geld bei uns. Es war...
32:52
Sie ist nicht viel, aber sie sagt nie etwas. Sie legt nur den Scheck von mich hin und wartet, bis ich ihn ausbezahlt habe. Dabei lächelt sie ein bisschen. Glauben Sie nicht, dass ich mich in Sie... Ich meine... Nur ruhig, Mr. Collin, wir hören Ihnen zu. Ich höre Sie immer schon, wenn Sie quer durch die Halle auf meinen Schalter zukommt. Sie hinkt ein wenig und das gibt dann ein ganz bestimmtes Geräusch.
33:23
Ah, Miss Brooke. 100 wie gewöhnlich. Nur einen Augenblick.
33:33
So, bitte. Auf Wiedersehen. Und immer hat sie gelächelt.
33:43
Bis, bis... Kam sie immer zur selben Zeit. Und war die Summe, die Sie abhob, immer 100 Pfund?
33:50
Ja, immer, immer. Bis vor ungefähr einem halben Jahr.
33:57
Ja, was war vor einem halben Jahr? Kam Sie an einem anderen Tag?
34:01
Nein, nein, nein. Sie kam pünktlich wie immer. Am ersten Dienstag um 10.30 Uhr. Nur... Ah, Miss Bruck. 100 wie gewöhnlich. Oh, diesmal 400. 400.
34:18
Bitte, natürlich, nur einen Augenblick.
34:23
So, bitte. Auf Wiedersehen. Es war alles in Ordnung. Der Scheck stimmte. Und warum sollte der Major nicht einmal 400 statt nur 100 Pfund abheben? Und trotzdem hatte ich ein unangenehmes Gefühl. Warum?
34:50
Sie lächelte nicht mehr.
35:01
Nun also, der gute Colin hatte mit seinen 53 Jahren eben doch eine stille Zuneigung zu dem Mädchen gefasst und in der Folge aus dieser Verwirrung heraus ein paar Dummheiten gemacht. Die ganze Sache schien ins Sentimental Alltägliche abzugleiten.
35:15
Aber dann... Dann waren es das nächste Mal 1000 Pfund...
35:21
Oh, diesmal 1000. Auf Wiedersehen. Und das übernächste Mal sogar 2500. 2500. Auf Wiedersehen.
35:35
Wie groß war denn das Konto des Majors? Damit war es erschöpft.
35:40
Sogar um 200 Pfund überzogen. Und was sagte Miss Brug dazu? Ich habe es ihr nicht gesagt. Warum nicht? Ich weiß es nicht.
35:51
Ich habe ihnen ja gesagt, ich kann es nicht erklären. Und haben Sie Miss Brug trotzdem die ganze Summe ausbezahlt?
35:57
Ja. Ich überschrieb die fehlenden 200 Pfund von meinem eigenen Konto. Ich weiß nicht warum. Ich...
36:06
Und dann? So ging es weiter. Die Summen waren unterschiedlich hoch. Aber letzten Monat waren es 4.000 Pfund. Und da reichte auch mein Konto nicht mehr aus. Da habe ich diesen Monat auch...
36:21
Warum in aller Welt haben Sie den Missbrug nichts gesagt?
36:29
Ich konnte einfach nicht, ich konnte kein Wort herausbringen, wenn sie mich so traurig ansah.
36:36
Ich kann es nicht erklären. Sie lächelte nie mehr.
36:50
Das war es, ein sozusagen klarer Fall. Colin hatte sich in das Mädchen verliebt. Vielleicht war er auch ein wenig übergeschnappt nach 28 Jahren Schalterdienst, ob schon er eigentlich keinen solchen Eindruck machte. Und seltsam blieben immer noch die unverhältnismäßig großen Summen, die Missbruck jeden Monat abhob. Mein Vater beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Colin war ein äußerst zuverlässiger Beamter gewesen und man wollte ihn möglichst schonen.
37:16
Es wurde angeordnet, dass Colin am nächsten Dienstag, an dem Missbruck wiederkommen würde, wie gewöhnlich hinter seinem Schalter sitzen und ihr den Scheck auszahlen sollte. Das Ungewöhnliche waren zwei Detektive im Schalterraum und außerdem noch mein Vater und ich und ein paar Herren von der Direktion. Das Geld, das Colin ausbezahlen sollte, war speziell gebündelt und beschriftet. Außerdem hatten wir uns die Nummern der Noten gemerkt.
37:41
Wir standen alle halb verdeckt hinter den großen Geldschränken und wussten im Grunde nicht so recht, auf was wir eigentlich warteten. Aber dann, kurz nach halb elf, hörten wir ganz deutlich...
38:02
Miss... Miss Brooke, wie viel wollen Sie diesmal? Ach, nur 200. Gut, nur einen Augenblick, bitte.
38:15
So, Miss Brooke, bitte hier. Auf Wiedersehen.
38:35
Es war die alltäglichste Sache von der Welt. Nur Colin war natürlich äußerst nervös und Miss Brug, ein übrigens recht hübsches Mädchen mit dunkelrotem Haar, sah wirklich erschreckend traurig und blass aus. Colins Erzählung schien plötzlich einigermaßen verständlich. Auch auf uns machte das Mädchen einen merkwürdig faszinierenden Eindruck. Die beiden Detektive hatten sich, wie es besprochen worden war, unauffällig an die Verfolgung Miss Brugs gemacht.
39:04
Ich habe auch schon langweilige Aufträge gehabt, aber ich erinnere mich nicht mehr daran. Warum nehmen wir eigentlich nicht den Bus und warten vor Ihrem Haus auf Sie? Ich bin grundsätzlich gegen jede unnötige Betätigung meiner Gehwertzeuge. Kleiner Morgenspaziergang statt Aperitif kann dir bestimmt nichts schaden, Philipp. Wenigstens ist sie hübsch, findest du nicht? Vielleicht trifft sie unterwegs ihren Freund, der ihr das Geld abnimmt. Und zu Hause finden wir den Major gefesselt und geknebelt im Keller, während Klein Aschenbrüdel im ersten Stock orgiastische Trinkgelage veranstaltet. Du liest zu viele Kriminalromane, Philipp.
39:33
Moment, George, ich puste sie.
39:35
Nur keine Aufregung. Unser Gewaltmarsch hat ein Ende, du bist erlöst, Philipp. Aschenbrödelchen ist doch ein vernünftiger Mensch. Los Tempo, sonst verpassen wir den Bus.
39:50
Wir waren im Auto meines Vaters ebenfalls an die Küste hinausgefahren und warteten in der Nähe des Hauses, in dem der Major wohnte. Wir sahen den Bus ankommen, wir sahen Miss Brooke aussteigen, gefolgt von den beiden Detektiven, wir sahen sie auf das Haus zugehen, die Tür aufschließen und im Innern verschwinden. Als sie die Tür schließen wollte, hatte der eine Detektiv schon seinen Fuß dazwischen.
40:13
Hallo Miss Brooke, einen Augenblick bitte.
40:23
Hallo, Miss Brooke, wo sind Sie? Hat sich offenbar ein Rauch aufgelöst. Ja. Und der Staub überall. Scheiße. Hausfrauliche Tugenden scheinen nicht ihre starke Seite zu sein. Hast du keine Vorträge, Philipp? Los, du fängst im Keller an, ich sehe oben noch.
40:48
Wir waren inzwischen auch herangekommen und standen unschlüssig im Hausgang herum. Überall lag dicker Staub, Spinnweben hingen wie Fischernetze in den Ecken und von den Lampen, die Fensterläden waren geschlossen und die Luft war stickig und verbraucht. Das Haus schien seit längerer Zeit völlig unbewohnt zu sein. Da hörten wir eine Stimme aus dem ersten Stock.
41:09
Philipp, ruf sofort Dr. Shelby an. Er soll alles stehen und liegen lassen. Ich habe sie gefunden.
41:16
Mit ein paar Sätzen standen wir im Wohnzimmer. Im düsteren Zwielicht sahen wir Miss Brug, die halb unter dem großen runden Tisch am Boden lag. Vor dem Kamin, mit dem Rücken zu uns, saß, zusammengesunken in seinem Rollstuhl, der Major.
41:29
Was ist denn los, Inspektor? Machen Sie doch Licht.
41:32
Hat keinen Sinn, Sir. Die Birnen sind seit längerer Zeit ausgebrannt.
41:35
Was heißt seit längerer Zeit?
41:36
Miss Brug ist doch eben erst nach Hause gekommen. Ja. Ja.
41:39
Sogar unter unserer Bedeckung. Aber wenn ich auch nur eine Kleinigkeit von meinem Beruf verstehe, sind Sie und der Major seit mindestens einem halben Jahr tot.
41:56
Es stimmte. Dr. Schelbe, der Gerichtsarzt, bestätigte es. Er meinte sogar, der augenscheinlich gewaltsame Tod sei mindestens vor acht Monaten eingetreten. Eine gründliche Hausdurchsuchung ergab keine wesentlichen Anhaltspunkte.
42:09
Nur auf dem Tisch, an dem Miss Brug gesessen hatte, lag ein aufgeschlagenes Tagebuch. Das Tintenfass war umgestürzt und die eingetrocknete Tinte bildete einen hässlichen Fleck auf dem weißen Tischtuch.
42:20
Vielleicht geht daraus etwas hervor. Lesen Sie doch, Inspektor. Die aufgeschlagene Seite ist vom 8. Juli vorigen Jahres datiert. Es heißt da, das ist meine letzte Eintragung, ich weiß es. Heute kommt er. Seit wir hier sind, verfolgt er uns. Er hat Onkel immer gehasst, schon in Indien. Und er weiß, dass Onkel ihm in seinem Testament nichts vermacht hat. Jetzt will er sich rächen. Jetzt... Weiter. Nichts weiter, Sir.
42:49
Nur noch ein großer Tintenplex. Nehmen Sie das Buch mit, wir wollen... Einen Augenblick, Sir.
42:53
Hier hinten ist noch etwas. Zeigen Sie.
42:57
Das ist ja Geld.
42:58
Ja.
42:59
Ungefähr 10.000 Pfund. Und 200 Pfund extra gebündelt. Das ist... Das sind die 200 Pfund, die Sie heute abgehoben haben.
43:29
Nun, Mrs. Moore, was sagen Sie jetzt? Mrs.
43:35
Moore? Schlafen Sie?
43:39
Nein. Nein, nein.
43:42
Haben Sie die Geschichte so blödsinnig gefunden? Es tut mir leid, aber es ist wirklich passiert. Tatsächlich.
43:48
Ich glaube es.
43:49
Wie bitte? Ich glaube, was Mr. Wayne erzählt hat. Besser gesagt, ich könnte mir vorstellen, dass sie stimmt, diese Geschichte mit dem Kassier und dem Mädchen und dem Onkel und dem Mann aus Indien. Tatsächlich, ich könnte mir vorstellen, dass sie stimmt.
44:04
Aber an meinen Träumen haben Sie gezweifelt? Nein. Sie haben nicht?
44:09
Ich sage Ihnen nein und ich meine nein.
44:12
Aber Sie haben darüber gelacht.
44:14
Ich habe darüber gelacht.
44:17
Ja, ich habe gelacht. Sie sind so sonderbar, Mrs. Moore. Was ist los? Ja, ich habe darüber gelacht. So gelacht, wie man über Dinge lacht, die man nicht wahrhaben will. Die man leugnet, weil man sie einfach nicht akzeptieren kann, ohne dass... Ohne dass? Ohne dass man verrückt wird. Ohne dass sie einem ein Leben lang nachgehen und Dieses Leben zur Hölle machen. Zu einer Hölle gebaut aus endlosen Selbstvorwürfen und aus nagender Reue.
44:49
Zur Hölle.
44:51
Mrs. Moore?
44:53
Ja?
44:54
Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ich meine, wenn es Sie nichts zu sehr, zu sehr quält, dann bitte erzählen Sie.
45:01
Es ist Ihnen doch auch einmal etwas passiert, nicht wahr? Ja.
45:06
Oh ja.
45:08
Erzählen Sie.
45:09
Gut.
45:12
Das heißt, nein, nicht gut. Aber ich will es trotzdem erzählen. Das war vor 25 Jahren.
45:31
So um 1930 herum, in jener glücklichen Zeit, die wir für die Zeit endgültigen Friedens hielt. Wir wussten ja nicht, dass sie nur eine Zwischenzeit war, eine kurze, heitere Spanne zwischen, Sie wissen ja, Wir konnten es uns auch nicht vorstellen, dass es jemals wieder anders käme. Wenn irgendein Hellsichtiger etwas anderes behauptete, dann lachten wir ihn aus. Und Charles pflegte zu sagen... Unsinn.
46:04
Krieg. Das ist doch vorbei. Der Dummheitsbazillus, der ihn verursacht hat, ist auch gefallen. Krieg. Unsinn.
46:18
Charles war mein Mann.
46:21
Er tat sich auf seine Aufgeschlossenheit, seine Verachtung aller rückständigen Gefühle, überholte Romantik nannte er sie, etwas zu gut. Er war wie diese ganze Zeit sachlich, nüchtern und überzeugt, dass ein heller Kopf der wichtigste Bestandteil der menschlichen Anatomie sei. Und es war wie gesagt so um die 30er Jahre und man spielte noch ein bisschen Cakewalk, aber der Tango kam schon auf und verdrängte ihn.
46:53
Und wir dachten, es bleibe immer so. Und Charles sagte, es ist Frieden und es bleibt Frieden.
47:00
Und alles, was wir tun können, ist, es uns so gut gehen zu lassen, wie nur immer möglich. Und um das zu tun, sollen wir kein Mittel unbenutzt lassen.
47:13
Und das tat er auch.
47:16
Er spekulierte ein bisschen an der Börse mit dem kleinen Vermögen, das ihm der Onkel seines Vaters hinterlassen hatte und versuchte auch sonst Geld hereinzubringen. Denn Geld war auch in dieser glücklichen Zeit eine wichtige Voraussetzung für das, was man zum Glück brauchte.
47:36
Er versuchte es auf so ziemlich alle Arten, die nicht so sehr anstrengten. Er spielte Poker und Roulette in Monte Carlo, setzte auf Pferde und Windhunde und Ruderboote und auf mindestens 17 weitere Dinge. Vor allem aber kaufte er Lose. Lose der Staatslotterie, Lose der privaten Lotterien, Lose der Wohltätigkeitslotterien und der Bazaare. Lose, Lose, Lose.
48:04
Und eines Tages war in London wieder einmal so eine Veranstaltung. Eine Lotterie zur Unterstützung irgendeines Kinderhilfswerkes. Es war eine sehr vornehme, von sehr vornehmen reichen Leuten durchgeführte Lotterie. Ich glaube, ein Los kostete 10 Pfund oder noch mehr. Aber dafür war auch der Haupttreffer eine halbe Million.
48:28
Eine halbe Million? Betty, stell dir das vor. Eine halbe Million.
48:33
Weißt du, was das heißt, eine halbe Million? Zehn Jahre Glück heißt das. Zehn Jahre ohne Sorgen. Zehn Jahre mindestens.
48:40
Nun ja, alles, was du zu tun hast, mein lieber Charles, ist hinzugehen und die richtige Nummer zu kaufen. Ein kleiner Griff in die Tasche, zehn Pfund herausgeangelt und noch ein kleiner Griff nach genau dem Los, das gewinnen wird. Das ist tatsächlich alles.
48:55
Meine Güte, mehr ist es wirklich nicht.
48:57
Glück, mein Lieber, hängt wirklich nur von ein bisschen Glück ab.
49:01
Betty, es ist höchst unschön, mir mit meinen eigenen Zitaten zu kommen, wenn ich gerade dabei bin, harte Arbeit zu tun.
49:08
Ach, du kaufst eine Lose mit Inspiration?
49:11
Immer.
49:12
Drum.
49:14
Was drum?
49:14
Nur drum jagt bei dir immer ein Haupttreffer den anderen.
49:17
Betty, deine Lieblosigkeit in Bezug auf den dir angetrauten Garten ist beängstigend. Ist es meine Schuld, dass eine Lotterie Nieten ausgibt? Nein, deine Schuld ist es bloß, dass du Nieten kaufst. Wenn ich recht verstehe, heißt das so viel, als dass ich selber nichts anderes bin als eine Niete.
49:32
Als Loskäufer, ja.
49:34
Betty.
49:34
Charles.
49:37
Und was schlägst du vor?
49:39
Was soll das heißen?
49:40
Ich meine, was schlägst du vor, um den ebenso unwürdigen als unrentablen Zustand des ewigen Nietenkaufens ein Ende zu bereiten?
49:47
Da gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du kaufst überhaupt kein Los mehr oder du kaufst nur noch Treffer. Die erste Möglichkeit halte ich für die bessere.
49:58
Ich nicht.
50:00
Ich bin dafür, nur Treffer zu kaufen.
50:01
Mit diesem Wunsch stehst du durchaus nicht allein.
50:04
Leider. Das Spielen in der Lotterie wäre umso vieles einfacher und einträglicher, wenn sich alle anderen endlich einmal dazu entschließen könnten, nur Nieten zu kaufen.
50:17
Nun so blödelten wir dahin und im weiteren Verlauf der scherzhaften Neckereien begannen wir einander Vorschläge zu machen, wie man sichere Treffer kaufen könne.
50:28
»Man müsste vielleicht vor dem Schlafengehen im Telefonbuch lesen. Dann würde man nachts von Zahlen träumen, und die Zahl, die einem im Gedächtnis bleibt, das wäre dann die Nummer des Haupttreffers.«
50:40
Wie wäre es mit einem Wahrsager oder einer Wahrsagerin? Du, ich habe gehört, es soll jetzt eine neue, ganz fantastische geben. Hört alles, sieht alles, weiß alles. Das ist ihr Slogan. Also müsste sie doch auch die Nummer des Haupttreffers vorauswissen.
50:54
Zweifellos. Und weil sie eine unglaubliche Menschenfreundin ist, verzichtet sie darauf, anderen Leuten eine halbe Million Pfund wegzunehmen und begnügt sich mit dem Honorar von 100 für die Voraussage von bevorstehenden Ehen und anderen Unglücksfällen.
51:11
Wie gesagt, so blödelten wir vor uns hin. Aber zwei Tage später kam Charles zu mir und war ein bisschen verlegen, obwohl er vorgab, lustig zu sein.
51:23
Betty?
51:24
Charles?
51:25
Ist ja reiner Unsinn, es ist ja Quatsch, aber ich war bei ihr.
51:28
Bei wem?
51:29
Bei Sandra.
51:30
Dürfte sich dem Namen nach um eine indische Elefantin handeln?
51:33
Indisch stimmt, Elefant ist falsch. Sandra, weißt du, das ist die Wahrseite von der wir neu... Ja, aber das darf doch nicht wahr sein.
51:42
Mr. Charles Moore, der Mann mit der Überzeugung, dass der Bacillus der Dummheit irgendwo in Frankreich gefallen ist, geht im Jahre 1930 zu einer Wahrsagerin aus Hinterindien, um sich den Haupttreffer in einer Wohltätigkeitslotterie voraussagen zu lassen. Nein, das darf nicht wahr sein. Hat sie dir denn etwas gesagt?
52:04
Ja. Sie hat gesagt, dass nur eine Nummer gewinnen könne.
52:07
Was für eine prophetische Natur.
52:09
Sie hat mir aber auch die Nummer angegeben. Da schau. 7.777.701.
52:13
Ach, und du hast das Los auch gleich gekauft?
52:16
Ja, zum Glück war es noch da. Zum Glück? Ja, zum Glück. Stell dir vor, wenn 7.777.701 gewonnen hätte. Was ich mich da ärgern würde.
52:32
Ich lachte noch lange und Charles grinste mit. Dann vergaß ich die Sache, bis Charles eines Abends zu mir sagte, Betty, morgen ist es soweit. Was?
52:43
Morgen ist die Ziehung.
52:44
Ach ja.
52:45
Betty.
52:47
Ja?
52:47
Du wirst mich für verrückt halten.
52:49
Seit langem.
52:50
Du wirst mich wirklich für blöd geworden halten, aber ich bin noch zu einem gegangen.
52:55
Zu was?
52:55
Zu einem Wahrsager, zu einem anderen.
52:57
Charles, eine Verrücktheit kann eine sehr, sehr üble Angewohnheit werden.
53:02
Nenn es, wie du willst, aber ich wollte ganz sicher sein. Da bin ich eben noch zu Gasalonio.
53:07
Ein wohlklingender Name.
53:10
Ich habe noch einmal nach der Nummer des Haupttreffers gefragt.
53:12
Und was sprach Casaloni, der Prophet?
53:14
Er sagte ebenfalls, dass nur eine Nummer gewinnen könne.
53:17
Unter den Wahrsagern Londons herrscht eine erfreuliche Solidarität in Bezug auf die Voraussage von Haupttreffern.
53:22
Ja, aber in Bezug auf die Nummer nicht. Casaloni behauptet, das Gewinnlos sei 88. Wie war die andere Nummer? 7.777.701.
53:30
Ein eklatanter Unterschied.
53:33
Ja, aber ich habe es gekauft.
53:36
Los 88? Ja.
53:38
Ich musste durch die halbe Stadt jagen, bis ich seinen Besitzer gefunden hatte. Er wollte es mir zuerst nicht verkaufen, aber bei 200 hat er zugesagt.
53:46
Wenn ich recht verstehe, dann hast du ihm ein 10 Pfund los für 200 Pfund wieder abgekauft?
53:52
Ja.
53:54
Charles, ich muss in diesem Falle sagen, zweitens bist du ein Trottel von ungeahntem Ausmaß und erstens ist Mr. Casaloni tatsächlich ein Prophet. Wenigstens jemand hat an Lose 88 etwas verdient.
54:05
Wie konntest du nur? Ich habe mir eben gesagt, doppelt genäht hält besser.
54:11
Amanda am Tag war die Ziehung anlässlich eines Balles. Charles war sehr aufgeregt und erklärte mir alles immer wieder.
54:22
Schau, die Ziehung geht so vor sich. Da oben ist eine große Trommel, die ist angefüllt mit zusammengefalteten Zetteln. Auf jedem der Zettel steht eine Nummer. Die Nummern entsprechen den Zahlen der ausgegebenen Lose. Eine Dame, ich glaube Lady Cavendish, zieht daraus mit verbundenen Augen einzelne Nummern und die gewinnen. Die Ziehung wird übrigens nicht lange dauern. Es gibt dem Ganzen noch 100 Treffer. Es ist ja eine Wohltätigkeitsorte.
54:44
Tja, nur leider keine für uns.
54:47
Die Ziehung begann. Ein niedriger Treffer nach dem anderen wurde ausgelost. Hier und da, besonders nach einer Weile, als sich die gewonnenen Beträge steigerten, rief jemand erfreut aus, dass das seine Nummer sei. Und schließlich schritt man zur Ziehung des Haupttreffers.
55:04
Und nun der Haupttreffer redest im Zentrum eine halbe Million Punkt.
55:08
weil der Reingewinn dieser Lotterie für bedürftige Kinder und Waisen verwendet werden wird, lassen wir den letzten und größten Treffer durch ein Kind ziehen. Hier ist es.
55:22
Das Kind, ein kleines Mädchen, kam, die Augen wurden ihm verbunden, es wurde vor die Trommel geführt, die Trommel wurde gedreht, das Kind griff hinein, der Notar, der die Ziehung leitete, ließ sich den gezogenen Zettel geben und da, da musste etwas passiert sein.
55:39
Einen Augenblick später wussten wir was.
55:43
Ladies and Gentlemen, die Ziehung des großen Treffes dieser Lotterie muss leider wiederholt werden. Unsere kleine Ann hat es zu gut gemeint und gleich zwei Lose gezogen. Die Nummern wären gewesen 7.777.701 und 8.88. Musik
56:22
Und das ist wirklich wahr? Die Nummern stimmten tatsächlich? Natürlich nicht Nein? Nein.
56:29
Das stimmt so wenig wie diese ganze Geschichte. Ja, man sollte auch sagen. Ja, ich habe nie einen Mann namens Charles gehabt. Meiner hieß Jonathan. Und der hat nie etwas mit Losen zu tun gehabt. Der hat brav und bieder sein väterliches Vermögen verwaltet, bis er zwischen Paris und Calais unter dem Einfluss von 17 Whiskys aus dem Zug fiel. Aha. Ja, aber warum haben Sie uns dann diese Geschichte... Weil ich auch einen Beitrag zum Thema Übersinnliches liefern wollte. Und weil ich Ihnen gerne die Blödsinnigkeit Ihres Aberglaubens ein bisschen deutlich gemacht hätte.
57:01
Ich hoffe, das ist mir gelungen. Böse?
57:04
Nein. Natürlich nicht, natürlich nicht. Man kann die Sache ja auch so nehmen. Wo nur der Chauffeur so lange bleibt.
57:13
In zehn Minuten wollte er wieder zurück sein.
57:15
Er muss fast schon eine halbe Stunde weg sein.
57:17
Vielleicht ist ihm wieder irgendetwas über den Weg gelaufen und er traut sich nicht mehr zurück.
57:23
Vielleicht ist ihm auch etwas passiert.
57:25
Sicherlich hat ihn Frankenstein entführt.
57:28
Kaum, kaum, den kenne ich. Für den habe ich mindestens sechs Filme geschrieben. Das ist ein ganz reizender Mensch. Der tut keiner Fliege etwas zu leid.
57:35
Dann ist ihm eben etwas über den Weg gekommen. Eine Katze oder vielleicht zur Abwechslung auch eine Spinne.
57:41
Bitte nicht, Mrs. Moore.
57:42
Was nicht?
57:44
Bitte nicht zu reden. Besonders nicht von...
57:47
Von Spinnen. Sie fürchten sich davor? Etwa wie vor Mäusen oder so? Nein. Anders. Tiefer und berechtigter.
57:58
Das klingt sehr nach einer Geschichte. Ich fürchte auch … Miss Joaquins, bitte schießen Sie los.
58:02
Ich glaube nicht, dass Mrs Moores haben möchte. Außerdem … Außerdem?
58:09
Außerdem möchte ich nicht, dass man mich nachher auslacht.
58:11
Ich werde mein Möglichstes tun. Vielleicht kann mir jemand ein Taschentuch leihen, das ich eventuell beißen könnte.
58:17
So schlimm wird es kaum werden, nicht wahr, Miss Jerkins?
58:20
Ich weiß nicht. Sie haben ja vorhin selber gesagt, man kann das alles so und so nehmen. Ich habe es so genommen. Und ich bin nie mehr darüber hinweggekommen. Es hat mich alles gekostet. Meinen Mann und meinen Beruf.
58:37
Alles.
58:39
Was glauben Sie, was ich bin? Hübsch. Nein. Ohne Spaß. Ich meine von Beruf.
58:45
Ich tippe auf irgendetwas Modisches. Modell, Mannkein.
58:49
Genau. Aber ich war das nicht immer. Ich war nun... Nun ja, ich war Artistin. Und kein Zirkuskind und nicht aus Leidenschaft. Sondern weil mein Mann eben Artist war. Bis... Bis? Bis er... Nun, das ist eben die Geschichte.
59:07
Erzählen Sie.
59:08
Gut.
59:10
Nun gut, wenn Sie unbedingt wollen.
59:33
Ich habe Rummelplätze von jeher geliebt. Die bunten Buden mit den klebrigen Bergen von Süßigkeiten, die Gondeln der Riesenräder, die über den Dächern schaukeln, die glitzernden Beete von künstlichen Blumen in den Schießbuden, die grellen Köpfe der Luftballone, die über den Köpfen lachender Menschen schwanken. Und ich liebte vor allem die Geräusche. Das Bimmeln der Schiffsschaukeln, das verlorene Jammern der Drehorgel, die scheppernden Schlage der Karusselle, das Heulen der Geisterbahnen, die heiseren Rufe des billigen Jakob und der Schießbudenfräulein.
60:36
Und das alles. Rufe und Pimmeln und überlaute Schlager, vermischt mit dem Lärm und dem Lachen von Menschen, die wieder für ein paar kurze Stunden zu Kindern werden. Ja, ich habe Rummelplätze immer geliebt.
60:54
Und vielleicht habe ich Rico auch ein bisschen irretwegen geheiratet. Ich stellte es mir wundervoll vor, immer in diesem bunten Treiben sein zu können und dort wohnen zu dürfen und sogar eine Rolle dabei zu spielen. Wie man sich eben Dinge vorstellt, wenn man 19 ist und die Enge einer bürgerlichen Wohnung und die Ansichten der Eltern satt hat. Musik Auf einem dieser Plätze waren wir, als es geschah.
61:30
Die Saison war eigentlich schon zu Ende. Wir waren froh, noch ein paar Tage auf einem Vergnügungspark arbeiten zu können, den sie in einer kleinen Schweizer Stadt anlässlich irgendeines Festes aufgestellt hatten.
61:46
Alles war wie immer. Die Glocken bimmelten, die Lautsprecher kreischten mit den Mädchen auf der Achterbahn um die Wette, der billige Jakob und das Schießbudenfräulein schrien sich heiser, die Sirene der Geisterbahn heulte und Albert brüllte unsere nächste Vorstellung durch sein Megafon.
62:03
Achtung, Achtung, keine falsche Scham, keine feige Scheu und immer nur näher treten. In zehn Minuten beginnt unsere nächste große, einmalige und außerordentlich sensationelle Sondergallervorstellung. Sie sehen den rasenden Rikot, den verwegenen Verächter des Todes in seiner einmaligen und noch nie überbotenen Todesfahrt mit dem Motorrad an der Todeswand. Der einzige Artist, der diese lebensgefährliche Fahrt mit Begleitwagen unternimmt und in diesem seine liebreizende, tollkühne Partnerin Evelyn.
62:36
Treten Sie näher, treten Sie ein, staunen Sie, schaudern Sie, zittern Sie bei den todesmutigen Evolutionen des rasenden Rekord seiner Partnerin Evelyn.
62:54
Sicher haben Sie so etwas auch schon gesehen. Und vielleicht haben Sie sogar mit einem leisen Grauen zugeschaut. Ich muss Ihnen sagen, es sieht gefährlicher aus, als es ist. Was allerdings nicht heißen will, dass es ungefährlich sei. Wenn der Fahrer nicht mit dem nötigen Schwung in die Wand geht, wenn er einen Augenblick fehlsteuert, wenn der Motor aussetzt oder am schlimmsten, wenn er zu hoch in die Wand kommt, dann kann er leicht abrutschen und die Maschine kann auf ihn fallen. Man muss schon gute Nerven haben, wenn man so etwas macht.
63:25
In jenem Spätherbst in der Schweiz hatte Rico sie nicht. Ich weiß nicht warum, aber er war ständig missgelaunt und er war schwer zu ertragen. Er trank auch und wurde sehr böse, wenn ich ihn bat, es zu unterlassen.
63:42
Weißt du, was dich das angeht, wenn ich hier und da einen Schluck trinke? Einen Dreck geht dich das an. Wenn ich Durst habe, dann trinke ich. Und wenn ich trinke...
63:56
Dann trinke ich eben, verstanden? Und wenn ich trinke, dann geht dich das einen Dreck an.
64:02
Rico, so kannst du nicht mit mir reden.
64:05
Es ist dir wohl nicht fein genug, was? Dem Dämchen aus gutbürgerlichem Haus ist die Ausdrucksweise des dreckigen Artisten nicht vornehm genug, hä?
64:15
Rico, red doch keinen Unsinn. Du weißt, dass ich dich liebe und deine Frau bin und... Nur meine? Wie bitte?
64:25
Nichts.
64:27
Was hast du da gesagt?
64:28
Das spielt ja auch keine Rolle mehr.
64:31
Rico, ich will wissen, was du gemeint hast.
64:33
Nichts. Nur so. Man hat ja auch seine Augen.
64:38
Was soll das heißen?
64:40
Interessiert es dich wirklich?
64:41
Ja.
64:43
Gut. Was hast du mit Francesco?
64:46
Mit Francesco?
64:47
Du nicht so, mit Francesco.
64:49
Ich mag ihn gut leiden, er ist ein netter Kerl.
64:51
So? Sonst ist er nichts?
64:54
Was sollte denn sonst sein?
64:56
Dein Geliebter... Rico!
64:58
Ich verbiete dir so zu reden. Das ist gemein.
65:01
Kann sein. Kann aber auch nicht sein.
65:05
Es ist aber nicht.
65:06
Nein? Dann ist es ja gut. Wenn du es sagst, wird es ja wohl stimmen.
65:20
Rico war immer eifersüchtig gewesen. Überall witterte er einen Nebenbohler, obwohl er genau wusste, dass er keinen Grund zur Eifersucht und zum Zweifeln an meiner Treue hatte. In guten Augenblicken tat es ihm dann leid.
65:35
Evelyn. Evelyn, hör zu.
65:39
Ja.
65:41
Wegen vorhin.
65:43
Nun?
65:44
Es tut mir schrecklich leid. Ich bin blöd.
65:48
Aber es ist nur, weil ich dich so lieb habe. Schrecklich lieb, Evelyn.
65:54
Warum quälst du mich dann mit solchen Dingen?
65:57
Ach, ich rede halt so. Aber weißt du, Evelyn...
66:04
Was?
66:05
Weißt du, ich hätte dich auch lieb, wenn... Rico! Sogar wenn du einmal davonlaufen würdest. Und wenn du zurückkämst, wäre ich auch gar nicht böse.
66:20
Ich würde nur sagen, schön, dass du endlich gekommen bist, Evelyn. Ich habe sehr auf dich gewartet.
66:29
Du dummer, du dummer, dummer Rico.
66:43
Ich musste das erzählen, weil sonst Ricos Verhalten wegen der Spinne ganz unverständlich wäre. Seine Wut richtete sich im Grund gar nicht gegen sie, sondern gegen Francesco, den kleinen, armseligen Clown, der vor der Abnormitätenschau durch Luftsprünge und groteske Tänze das Publikum anzulocken versuchte.
67:05
Wenn ich ehrlich sein soll, ich hatte ihn nicht einmal gerne. Er tat mir bloß leid. Und deshalb hatte ich nichts dagegen, wenn er manchmal auf einen Sprung in unseren Wohnwagen kam.
67:17
Ja?
67:19
Darf ich hereinkommen?
67:20
Aber natürlich, Francesco.
67:21
Dankeschön.
67:23
Nun, wie geht's?
67:28
So, so, lala. Die letzte Vorstellung war schlecht.
67:32
Bei uns war's gut?
67:34
Nun, vielleicht geht's morgen besser.
67:37
Ja, hoffentlich. Es ist der letzte Tag.
67:39
Ja. Und dann haben wir ja einen Winter lang Ruhe.
67:42
Ja. Einen ganzen Winter lang haben wir...
67:49
Was ist denn?
67:51
Eine Spinne.
67:53
Was?
67:54
Eine Spinne. Da.
67:56
Schau einmal an. Wie kommt denn die in den Wagen?
67:59
Eine Kreuzspinne.
68:01
Warte, ich mache sie kaputt.
68:02
Evelyn!
68:03
Was ist denn?
68:03
Das darfst du nicht tun. Das darfst du auf keinen Fall tun.
68:07
Warum nicht so ein ekelhaftes Tier?
68:09
Das darfst du nicht tun, Evelyn. Das bringt Unglück. Unsinn. Doch, doch, ganz sicher. Das bringt Unglück. Jeder Artist weiß es. Wer eine Spinne umbringt, der... Nun? Der kommt selber um.
68:24
So ein blöder Aberglauben. Wieso soll jetzt...
68:29
Ach, du bist's, Rico.
68:31
Guten Abend, Rico.
68:33
Guten Abend. Stell dir vor, ich wollte eben eine Spinne kaputt machen.
68:37
Was wolltest du? Siehst du, Evelyn, stell dir vor, ich habe eine Spinne gefunden, Rico, und sie wollte sie kaputt machen. Und warum hast du das nicht getan, Evelyn?
68:43
Francesco hat gesagt, es bringe Unglück.
68:46
Da habe ich nicht recht. Du weißt doch, dass man Pech hat, wenn man eine Spinne tötet, Rico. Einen Dreck hat man. Sag das nicht, Rico. Du weißt es besser. Du bist einer von uns. Deine Eltern haben es dir gesagt. Alle haben es dir gesagt. Quatsch. Gib mir eine Zeitung, Evelyn. Nein, tu es nicht, Rico. Tu es nicht. Lass sie. Lass sie sein.
69:04
Einen Dreck lass ich sie. So, da.
69:13
Ich bin sicher, er hätte die Spinne nie getötet, wenn Francesco nicht gesagt hätte, er solle sie leben lassen. Aber weil er etwas zwischen ihm und mir vermutete, tat er es aus Trotz. Vielleicht auch, um mir zu imponieren. Ich weiß es nicht. Jedenfalls wachte ich in der Nacht erschreckt auf.
69:31
Weg! Weg! Weg! Dreckst du!
69:37
Was ist denn los? Träumst du, Rico? Nein! Ich bring das hier um! Welches Vieh? Die Dreckspinne da. Welche Spinne? Die Kreuzspinne da. Ich sehe keine Kreuzspinne.
69:51
Dann mach die Augen auf. Da läuft sie. Warte. So.
69:56
Rico.
69:58
Ja?
70:00
Hast du getrunken?
70:02
Nein.
70:03
Fühlst du dich nicht wohl?
70:05
Ich fühle mich einen Dreck nicht wohl.
70:07
Was redest du denn von einer Spinne?
70:09
Ich rede nicht davon. Da war eine. Die ist mir immer Vorhin über die Hand gekrochen. Und die habe ich kaputt gemacht.
70:17
Rico, sei jetzt einmal ganz ruhig und sag mir etwas. Glaubst du an das, was Francesco gesagt hat?
70:28
Ich glaube an nichts, was dieser lächerliche August von sich gibt.
70:33
Dann ist es ja gut. Dann schlaf schön.
70:38
Ich versuch's.
70:50
Und ich erwisch dich doch. Ich erwisch dich doch noch.
70:53
Was ist denn schon wieder?
70:54
Ich erwisch sie noch. Ich erwisch sie alle noch. Wer denn? Alle kriege ich sie. Und die Große zuerst. Jawohl. Habt sie. Und jetzt die. Und die. Und die. Rico, so hört doch. Ich haue sie zusammen. Alle. Jede Einzelne. Nacheinander. Lass.
71:12
Ich habe so Angst, Rico! Ich habe so sehr Angst! Und die auch! Und die, und die! Ich hab sie!
71:36
Ich wusste mir nicht zu helfen. Rico stand in dem Wagen. Sein Gesicht war verzerrt. Er schlug mit einer Zeitung auf den Tisch, auf das Bett, auf den Spiegel, auf seine Arme, auf seine Beine. Es war entsetzlich. Ich zog mir rasch meinen Morgenrock an und lief hinüber zu Rita, dem Schießbudenfräulein.
72:00
Ja, was ist? Rita!
72:05
Ja, wer ist da?
72:06
Ich, Eveline.
72:09
Äh, warte, einen Augenblick.
72:12
Mach schnell.
72:14
Bitte mach schnell, Rita. Sofort, Eveline, sofort.
72:25
Ich erklärte Rita alles und sie kam sofort mit in den Wagen. Als wir eintraten... Er ist ja gar nicht da. Nein. Er ist fort. Ja. Ja, aber wo könnte er denn sie? Ich weiß nicht. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist er... Still! Lass einmal! In der Wand. Er ist in der Todeswand. Rum!
72:55
Wir rannten hinüber, stürzten die Treppe zur Balustrade hinauf und sahen in das Rund hinab. Da saß er auf dem Motorrad und fegte rasend durch die Runde und schrie... Erwisch euch!
73:08
Ich erwisch euch alle!
73:09
Ich fahr euch zu brei! Liebe Einzelne, fahr euch zu brei! Ich erwisch euch alle! Rico, um Gottes Willen! Rico, hört doch um! Wir sind auch von Bitte, Rico, bitte! Alle, alle!
73:28
Geschrien sie mich ab und baden und bettelten und ich weinte und drohte, sinnlos, aber er ließ sich nicht aufhalten, sondern fuhr immer schneller und immer höher und höher und höher und...
73:52
Wir stürzten die Treppe hinunter und sahen gleich, dass es nichts mehr zu tun gab. Er war von der Maschine gestürzt. Sie war auf ihn gefallen. Rita drehte ihn auf den Rücken und dann... Dann sahen wir es. Über sein starres, verzerrtes Gesicht kroch langsam eine große, graue Kreuzspinne.
74:38
Also entsetzlich. Tja.
74:44
Also ich für meinen Teil finde... Bitte, Mrs.
74:47
Moore. Bitte finden Sie nichts. Ich weiß, dass es so war. Und ich weiß auch, dass es...
74:54
Meine Damen und Herren, es ist nun mal leid.
75:00
Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Aber was ist denn mit Ihnen? Wo waren Sie denn so lange? Wie sehen Sie denn aus? Ich weiß nicht, ich weiß nicht.
75:08
Was wissen Sie denn nicht?
75:10
Ich weiß nicht.
75:11
Zum Donnerwetter, Sie werden doch wenigstens wissen, was Sie nicht wissen. Haben Sie die Kreuzung gefunden? Hören Sie, haben Sie sie gefunden, ja oder nein?
75:20
Ich weiß nicht, es war schon eine, aber... Aber was? Es ist alles so sonderbar gewesen, so seltsam. Da war eine Kreuzung und da war auch ein Wegweiser, aber ein ganz anderer. Der eine Arm zweckte nach Darkmore Forest und der andere, auf dem anderen, ich konnte es fast nicht lesen, der war ganz verfault und da las ich es doch. Und was stand darauf? Es stand...
75:51
Da stand Deathmoor. Deathmoor? Todesmoor? Ihr gebt euren Dörfern aber tatsächlich erfreuliche Namen.
76:00
Das ist es ja eben. Ich kenne diese Gegend wie meine Tasche. Aber davon habe ich noch nichts gehört. Nie habe ich das gehört. Deathmoor. Das gibt es doch gar nicht.
76:11
Schauen Sie, dort vorne kommt ein Licht. Ein Motorradfahrer. Gott sei Dank, der wird ja wohl Bescheid wissen.
76:16
Unglaublich gut müssen Sie diese Gegend kennen.
76:19
Man kann sich doch einmal täuschen, besonders in so einer Nacht.
76:22
Kann ja, sollte aber nicht.
76:24
Ich schwöre Ihnen.
76:25
Schwören Sie nicht, fragen Sie den Motorradfahrer lieber nach dem Weg.
76:28
Hallo, Entschuldigung. Ja? Entschuldigung, wie kommen wir nach Darkmoor, Forrest?
76:36
Wozu wollen Sie nach Darkmoor?
76:38
Das Mor ist doch viel schöner.
76:40
Aber das ist ja... Das ist ja... Rico!
76:45
Schön, dass du endlich gekommen bist, Evelyn. Ich habe sehr auf dich gewartet.
77:05
Verzähl du das in Färima.
77:13
So hieß diese Sendung, Sie hörten in ihr Valerie Steinmann als Miss Jerkins.
77:18
Du dummer, du dummer, dummer Rico.
77:26
Halli Stehle als Mrs. Moore.
77:28
Charles, eine Verrücktheit kann eine sehr, sehr üble Angewohnheit werden.
77:37
Günter Heising als Mr. Wayne.
77:39
Aber dann, kurz nach halb elf, hörten wir ganz deutlich.
77:49
Rainer Litten als Mr. Higgins.
77:51
Miss Morgan, fliegen Sie nicht. Fliegen Sie nicht mit diesem Flugzeug.
78:00
In weiteren Rollen waren zu hören Kurt E. Heine, Walter Arnold, Fritz Scheuferle, Lutz Versell, Sibylle Münch, Berthold Büche, Ingeborg Stein, Walter Richard, Helmut Daucher, Roswitha Selmut, Alfred Schlagerter, Erwin Roth, Alfred Kogo, Josef Scheidegger, Margret Scheu, Horst Frank und Max Lehmann.
78:31
Die Musik schrieb Hans Möckel. Die Geschichten verfassten Hans Hausmann, Kurt Nachmann und Werner Wollenberger. Regie führte Hans Hausmann.
79:05
Susanne, Rico ist wieder da. Ja.
79:26
Ja, ich hoffe, im Afterlife hat sie eine bessere Zeit mit ihm als zu Lebzeiten.
79:32
Also sie ist so unglücklich. Aber sie ist doch nicht tot. Nein, aber er nimmt sie ja jetzt mit. Nein. In Deathmore. Was glaubst du denn, wo es hingeht? Das ist schrecklich. Glaubst du, die fand so einen Polka-Abend? Aber sie muss ja nicht mitfahren, oder? Aber es ist Rico. Es ist die Liebe ihres Lebens. Sie schuldet ihm noch was, weil, sind wir ehrlich, sie hat doch mit dem Clown ein bisschen geschakert.
79:53
Entschuldige, ich finde aber, ich habe gerade zu der Zirkusfolge ein bisschen was zu erzählen.
79:59
Ja.
80:00
Oder ich habe Gefühle dazu, die jüngere Generation sein.
80:04
Es war nicht meine Lieblingsfolge von den vier, weil bei mir ganz klar die erste, die stärkste ist. Aber bleiben doch gerade mal bei Rico und beim Zirkus und bei der Kreuzspinne.
80:13
Nur ganz kurz. Ich meine, sie wird eingeführt als diese junge, hübsche Frau, die einen großen Traum hat. Sie kommt aus gutbürgerlichem Haus, aber sie träumt vom offensichtlich schweizerischen Zirkus. Und das wird groß ausgemalt. Man hört die Rufe und du hast das Gefühl, du schmeckst die Zuckerwatte und siehst die Artisten. Und dann ist sie da und ab da ist sie todunglücklich.
80:36
lebt in der Kälte mit einem offensichtlich viel zu alten Mann, der ständig trinkt und ihr das Leben schwer macht, sie mit der Eifersucht quält, dann kriegt sie eben Besuch von dem Clown, der auch geschildert wird und sehr krank ist.
80:51
Ja, das ist ein sehr mobiles Geschäft da, oder? Ja.
80:55
Ja, die Todeskurve, nein, ich finde das einfach, mir hat vor allen Dingen ihr Absturz, dass ihr Traum nicht sich erfüllt, dass sie nicht mal mit ihren jungen Jahren ein Stückchen weit leben kann, sondern sofort ins Elend rutscht, sobald sie da beim fahrenden Volk ist, fand ich schon sehr schade.
81:16
Siehst du ja auch schon die ganze Folge über, also auch in der Rahmenhandlung. Nein, Mr. Higgins, lassen Sie es nicht. Ich höre so Dinge furchtbar gern. Bitte erzählen Sie, Mr. Higgins, bitte, bitte. Also schon spannend, das ist mir so wichtig. Das ist sehr wichtig, genau. Das ist interessant, weil sonst immer beim Ferien meistens die Zuhörerschaft ist halt langweilig oder irgendwie, man muss halt Geschichten erzählen, um die Zeit rumzudrücken. Dir ist wirklich so wichtig, diese Storys zu hören. Ganz, ganz spannend. Ja.
81:41
Eben, deswegen ist wahrscheinlich Ricos Auftauchen am Schluss für sie sogar ein freudiges Erlebnis.
81:45
Aber auch wenn der so schlimm war.
81:48
Ja, der hatte jetzt Zeit zum drüber nachdenken. Er ist ihr hinterher gefahren mit dem Motorrad, das heißt schon was.
81:54
Hast du das schon oft erlebt in Geschichten über Geister, dass sie dann ihre Zeit im Jenseits dazu genutzt haben, eine Therapie zu gehen, über ihre Taten, Untaten nachzudenken und zu besseren Gespenstern zu werden? Ja.
82:05
Im Märchen, ja.
82:07
Ja?
82:08
Ja, oft. Und auch die Form von Erlösung, dass man wirklich sagt, ich muss doch erst mein Schlechtes wieder gut machen und dann kann ich auffahren oder mich auflösen.
82:18
Aber Himmel ist ja noch da. Er kommt ja noch vorbei.
82:22
Ich glaube ihm gar nichts.
82:24
Der tut nur so. Kommt zurück und der tut nur so.
82:26
Mir ist das der Lichtstrahl, der vom Himmel kommt. Gar nicht. Reiten sie zusammen auf seiner Harley-Davidson?
82:32
Bloß nicht, bloß nicht.
82:34
Aber Wolfram, er war ja gar nicht so schlimm.
82:36
Also jetzt kurz davor hast du noch gesagt, das sei so kalt und Absturz da hinten und nicht die Glitzerwelt und Scheinwürfe aus.
82:42
Ja, ja, das stimmt. Das stimmt, aber er hat sich ja auch immer wieder entschuldigt. Also bitte. Und jetzt hat er die Gelegenheit, sein wahres Ich, wo er nicht mehr von Hunger und Alkohol geplagt wird, jetzt der gute Mann zu sein, der er ihr versprochen hat zu sein.
83:03
indem er sich ins Jenseits zieht. Pass auf. Für mich war der Ausgang ein schöner.
83:10
Für mich war er wirklich ein schöner. Ich glaube, weil sie tatsächlich auch zu Lebzeiten, auch ohne Rico, jetzt immer so ein kleines, armes, gequältes Küken war.
83:18
Und da gibt es nur eine Lösung durch Fahrt ins Todesmoor.
83:23
In meiner Vorstellung war es tatsächlich für sie was Schönes.
83:27
Gut, offensichtlich nicht für alle hier im Raum. Sie dürfen mich das nächste Mal Schießbutenfräulein nennen. Das wollte ich dich nämlich auch noch bitten. Das ist auch noch ein Gewinn aus dieser Folge.
83:36
Ja, die Figurenbeschreibung. Da gibt es ein Schießbutenfräulein, mache ich sehr gerne. Und ich freue mich auch über Post auf krimi.sf.ch, wie ihr jetzt eigentlich die Auflösung findet vom vierten Ferima.
83:48
Also komm, machen wir doch die Zangenbewegung hin zur allerersten Folge. Und dann schaue ich mal, ob ich dir da ein bisschen was zerreden kann. Was hat dir denn so gut daran gefallen?
83:57
Hey, ich finde, sie wird schön eingeführt durch den Dialog davor, noch im Omnibus. Also eben, wir haben die junge Frau, die immer sagt, bitte, Mr. Higgins, ist mir so wichtig. Die andere, die schon sagt, eh, ist eh so lang, weil ich werde einschlafen. Dann sagt er noch, ja, schlimmstenfalls kann ich sie ja vor der Pointe wecken. Also ich finde sie davor so einen lustigen Ton. Und was dann kommt, finde ich eben, Gar nicht lustig und auch so an dem Alltag. Es geht um diesen Flugzeugabsturz, dass man was träumt und dann wird dieser Traum ein Stück weit Realität.
84:30
Man kriegt natürlich einen großen Schreck. Ich finde wirklich diesen Traum selber gut beschrieben.
84:36
denkt, er hat da die echte Schauspielerin. Dann erzählt diese seine Sitznachbarin die gruselige Geschichte. Ja, ich tauche immer auf, wenn ein Flugzeug auch gerade in einen Baum reinfliegt.
84:48
Und dann macht sie immer einen Witz. Nein, dann sagt sie halt nur so, weil sie immer verwechselt wird. Sie ist eigentlich Frau Morgan, ein Fräulein. Ich glaube, Modedesignerin oder Schneiderin oder irgendwie so Textildesignerin. Genau, das gefällt mir sehr. Dann finde ich extrem clever.
85:02
Dass er dann beim Aufwachen, um sich zu beruhigen, sich den Traum nochmal erklärt, also woher eigentlich die einzelnen Elemente kommen. Er hat zum Beispiel darüber nachgedacht für das Drehbuch, das verfilmt werden soll, dass doch die Frau Lampert oder wie auch immer sie hieß, die wäre doch die tolle Schauspielerin gewesen. Und er erklärt sich, wie jedes einzelne Element aus diesem schrägen Traum, aus der Realität. Ich mache das zum Beispiel manchmal auch, wenn ich komische träume, mir hilft es mir zu erklären, warum ich jetzt gerade dieses schräge Zeug geträumt habe. Das finde ich gut. Und dann finde ich einfach auch, ist einfach, aber es funktioniert einfach top.
85:35
Ich habe ja davor schon mal den Traum gehört, gerade das Gespräch am Schalter und dann bekomme ich es eins zu eins nochmal und merke aber, wie er ganz nervös wird, weil der Mann am Schalter dieselben Sprüche macht. Wie war ihr Name? Er sagt selber, den habe ich noch gar nicht gesagt, aber er ist Higgins, wie dann die Liste durchgeht. Ich habe es ja alles schon mal aufgehört und ich erlebe es quasi mit der Hauptflieger nochmal. Finde ich cool. Und dann auch das Letzte, dann höre ich auf. Ich finde es eine schöne Überraschung. Sie fliegen zusammen. Man denkt dann, okay, jetzt kommt das Unglück. Gleichzeitig kann er die Geschichte erzählen, er muss überlebt haben.
86:07
Dann gibt es diesen Zwischenhalt.
86:09
Und dass er dann eben weiß, okay, aufs nächste Flugzeug darf ich nicht gehen. Und er sagt es noch vor deinem Morgen, die so total negativ regiert, gar nichts sagen lassen. Und dass er aber am Schluss dann doch überlebt, finde ich wirklich eine gute Überraschung. Und dann heiraten sie halt noch.
86:31
Da wollte ich die ganze Zeit hin. Und sie heiraten noch. Und dann sagst du, heiraten sie halt noch. Nein, ich finde, anders kann die Geschichte in den 50ern nicht aufhören, als dass sie am Schluss heiraten, nachdem sie sowas zusammen erlebt haben.
86:42
Die machen ja dann sogar noch den Spruch, ja, du bist ja Hollywood-Autor, natürlich habt ihr dann auch geheiratet. Er sagt, ja, ich bin ein Glischee, aber ja. Ich finde es wirklich auch thematisch, wirklich richtig schön aufgehoben, auch gut überlegt, wer diese Story erzählt. Das haben wir zum Beispiel bei Grauen. Du wirst ja dieses Jahr auch wieder Folgen inszenieren, kommt im Herbst wieder eine neue Staffel. Da arbeiten wir ja meistens so, Simon Krapf und ich als Produzent, denn dass wir uns so einen Rahmen überlegen und dann auch Aufträge geben für die einzelnen Geschichten.
87:13
Und wer aber dann eine Geschichte erzählt, ist nicht immer einfach und macht aber je nachdem viel außen. Das finde ich wirklich clever gelöst, dass dieser Drehbuchautor ist.
87:20
Ja. Hey, und Flugangst oder die Angst, dass mit dem Flugzeug was passiert, das scheint wirklich zeitlos zu sein. Deswegen hat es mich jetzt zum Beispiel auch ein bisschen abgeholt. Hast du Flugangst? Ja, ich habe das schon. Und wenn dann solche Geschichten sind mit Fensterbrechen auf und Leute werden halb rausgesagt, das hilft nicht. Ja. Da waren die in den 50ern vielleicht noch ein bisschen verschonter sogar, weil sie noch nicht dieses Archiv von was schief gehen kann hatten, wie wir es heutzutage haben. Es passiert ja wenig, aber trotzdem.
87:51
Aber du kannst den Stunden lang googeln und dir YouTube-Videos anschauen.
87:54
Was kann man machen, genau. Und das habe ich leider nicht nachgeschaut, aber vielleicht weiß das einer von euch auch gerne schreiben. Stimmt es, dass...
88:02
Flugzeuge, die abstürzen, das klingt so makaber, aber dass die meistens nicht ganz voll besetzt sind, also dass Leute die Flüge vermehrt nicht antreten, wo mit der Maschine etwas passiert. Hast du das schon mal gehört?
88:15
Nee, das ist eine urbane Legende.
88:18
Sag doch mal, wo ist denn der Rahmen perfekter, als über sowas zu sprechen? Ich meine, du erzählst mir gerade, wie sehr dir das gefällt, dass sich jemand das zusammenbaut in seinen Träumen. Und anders kannst du ja Telepathie oder Vorahnung.
88:30
Wir können doch jetzt hier nicht wirklich Ferien machen, du unsicher.
88:32
mehr zwischen Himmel und Hölle, als wir wissen.
88:37
Nein, nein, es gibt einfach eine Hölle und eine Frau Jansson, das reicht.
88:41
Also mir hat die Geschichte auch gut gefallen. Vor allem, weil man, glaube ich, durch so Filme wie Catch Me If You Can oder sowas, einfach so dieses Setting, was damals fliegen war, mit dem Drink am Platz und nicht dieser hochtechnisierten Kontrolle zum Einstieg ins Flugzeug. Das ist noch so ein bisschen, ja, charmanteres Leben war damals. Ja, fand ich auch sehr schön. Und die Hauchzeit fand ich sehr schön.
89:06
Wie gefällt dir die zweite Folge, der Bankier?
89:10
Ich habe so ein bisschen aufgrund der zweiten Folge über die Grundpersonage nachgedacht, die in diesem Bus versammelt ist. Können wir gleich mal noch kurz drüber sprechen. Grundsätzlich finde ich die ganz nett. Was mir gefällt ist, du hast diese junge Frau, die nicht spricht, sondern nur mit diesem leichten Hinken auf diesem Steinfußboden kommt und geht. Das fand ich stark. Das fand ich wirklich schön. Das haben sie sich gut überlegt und auch nicht aufgelöst.
89:37
Und die Faszination, die sie ausübt, oder?
89:40
Dass sie nicht lächelt.
89:41
Ja, aber trotzdem alle Männer, selbst die Polizisten dann beim Beschatten, sie wird ja dann beschattet, also alle, man kann den Blick nicht abwenden trotzdem.
89:50
Aber das ist ja eine vermittelte Geschichte. Das ist ja ein Bankierssohn, der von seinem Vater mitgenommen wird in diese alten, männerwürdige Versammlung. Und dann muss der arme, gebeugte Hauptkassierer Rede und Antwort stehen. Ihm ist die Geschichte passiert. Und es zieht sich so durch ein paar Fäden durch. Wir hatten ja jetzt schon die junge Frau aus der Zirkusfolge, die aus Gutemhause kommt und dann ja eigentlich im Elend landet, Mrs...
90:18
Mrs. Moore, die die dritte Geschichte erzählt, die ja nachher auch sagt, ihr Mann hat treu das Erbe seines Vaters verweilt, bevor er dann nach 17 Alkohol aus dem Zug gefallen ist. Und auch er ist so, du hast das Gefühl, ein junger Mann, der aber schon in dieser Finanzwelt mit alten weißen Bärten verknöchert und vertrocknet. Da ist unser Mr. Higgins, der Drehbuchautor, wirklich noch. Der lebhafte. Ja, genau.
90:45
Ich fand die, also mir hat die Geschichte wirklich ziemlich gut gefallen. Sag mal. Ich glaube, eben weil es eine Geistergeschichte ist, aber jetzt nicht das ganz übliche Setting. Es ist jetzt nicht das Haus gegenüber, was schon lange leer steht und dann nachts geht immer wieder das Licht hin oder irgendwas geschieht da, sondern es ist ja total eigentlich doch im Leben und im Alltag, es kommt jemand hin und macht was.
91:07
Das fand ich wirklich clever, deswegen war es auch ein Stück weit überraschend. Und ich fand es dann schon auch gut, diese kleinen Kleinigkeiten, dass sie eben dann irgendwann nicht mehr lächelt, dass auch die Geldbeträge so wechseln, die sie abhebt. Und dass auch viel über die Reaktion der anderen erzählt wird. Eben dann, dass unser Schalterbeamter dann anfängt, da diese Beträge auszugleichen, dann selber das Geld von seinen Konten. Er kann selber gar nicht erklären, warum. Und irgendwie finde ich es trotzdem total glaubwürdig, dass er es macht.
91:40
Das finde ich auch geschickt. Da wird auch erzählt, was dieser Geist eigentlich für eine Faszination ausübt. Das hat mich sehr gut mitgenommen.
91:49
Mitleid?
91:51
Ja, lieb, aber ich glaube auch schon noch Faszination für Jenseits, für Geister, für Gespenster.
91:57
Die Situation dieser Schalterhalle finde ich ganz gut. Deswegen habe ich so genickt, dazu gesagt, das ist ein ungewöhnliches Setting. Es ist eben nicht der Rausriss aus was Vertrauten, sondern da begegnen sich zwei so kleine Menschen in so einer großen Steinwüste. Und das ist dann so ein bisschen wie, wir müssen noch zusammenhalten. Und was ist schon Geld? Offensichtlich sehr viel.
92:21
Die dritte Folge wiederum.
92:24
Da muss ich jetzt mal sagen, Feri Ma, Hausmann Wollenberger, bin nicht einverstanden. Warum? Das hatten wir schon beim letzten Mal, der Regisseur, der dann eine Story erzählt.
92:35
Mit seinem Trinkerfreund, der ihn aus dem Jenseits besucht.
92:38
Ja, die nur erfunden ist und die haben wir wieder so eine erfundene Story und die ist noch nicht mal richtig mit Jenseits, sondern nur mit Lottozahlen und so.
92:46
dies mit ganz viel Musik.
92:47
Ja, also ich mag das Spiel Lotto oder Bingo oder wie auch immer man es nennen kann. Ich mache das sehr gern. Ich finde das auch lustig bei Familienfeiern und so weiter. Habe ich die richtigen Zahlen bei mir auf dem Platz? Das finde ich cool. Da hat er mich eigentlich. Aber ich finde das schwierig, wenn wir ein Hörspiel machen, wo es darum geht, gruselige Sachen zu erzählen, eh schon mal und immer wieder genau damit zu arbeiten, könnten die Sachen geschehen oder nicht. Und dann einfach so eine Story zu machen, wo man merkt, ist eh alles nur aus Stumpenunterlogen.
93:18
Das finde ich ist für mich so anti, eigentlich tatsächlich so ein bisschen anti-Grusel, anti-Ferima. Mich haut es raus und für dies gar nichts einfach wieder reinzukommen.
93:29
Und ich finde, davor haben sie so viele tolle Sachen aufgebaut. Deswegen habe ich da echt so etwas Mühe mit der Skeptikerin.
93:37
Aber wie die Skeptikerin es aufbaut, ich finde, das macht sie ziemlich gut. Weil ich finde, wenn sie einsteigt in die Geschichte, hat man wirklich das Gefühl... Ah ja, sie wurde jetzt psychologisch geknackt durch die schon erzählten Geschichten, gibt sie jetzt zu, dass sie eigentlich das alles nur überlacht hat. Das heißt, du hörst diese Geschichte an mit ihrem Ehemann und diesen pensionären Gesprächen, die sie da führen über Salonmusik und denkst immer, oh Gott, wann wird es denn jetzt hässlich, wann wird es denn hässlich? Hast du das nicht gedacht? Ich bin deswegen dran geblieben. Und nachher wollte ich auch einfach wissen, ja, das ist wie das, so ein Rätselbild mit Streichhölzern, legen sie zwei Streichhölzer um, dass sich das und das verändert, das wollte ich dann schon unbedingt wissen.
94:14
Wenn du da jetzt ausgemacht hättest vorher, dann wäre ich schon sauer gewesen.
94:22
Nein, für mich hat das auch gut funktioniert. Ich gehe mit ihr mit. Ich glaube ihr, dass jetzt das Schloss aufgebrochen ist und sie jetzt zugebt, dass sie auch so ein Zeug erlebt hat. Und wenn es dann einfach wieder so zurückgenommen hat, das nervt mich dann. Mich nervt das. Ich bin ja da, um große Geschichten zu hören. Ich weiß ja, dass ich heute ein bisschen, ich meine es wirklich positiv, ich will mich an den Quatsch reingeben und ich meine den Quatsch total positiv. Ich will mich ins Grusel reingeben und in Geschichten und wenn ich dann so ein, wenn man sich so drüber lustig macht, da nervt es mich.
94:52
Du glaubst doch an den Wechsel der Jahreszeiten. Du weißt, dass es einen Winter geben muss, bevor der Frühling kommt. Du weißt, dass du zwischen einem Glas Rotwein erstmal ein Stück Brot essen musst, um das nächste zu genießen. Und genau diese Reinigungsform hat doch so eine kleine aufheiternde Geschichte zwischendurch. Ja gut, die Zirkusgeschichte hatte ich ja jetzt auch nicht vom Hocker gerissen.
95:14
Nee, den ganzen Schuss, der war gut, aber die Zirkusgeräte, genau. Ich glaube auch dann mit der Spinne, das fand ich jetzt noch nicht ganz so stark. Die Zirkuswelt hat mich schön beschrieben, da haben wir schon drüber gesprochen.
95:24
Ich bin ein Clown.
95:27
Aber dass ich jetzt gerade die Spinne sein musste. Die Kreuzspinne. Vielleicht auch, weil ich mich angewöhnt habe. Ich hatte als junger Mensch, als Kind Angst vor Spinnen. Habe die so bewunden. Die Spinne ist mein Freund. Da bin ich einfach vielleicht viel zu einfach. Und nehme das eins zu eins. Denke die arme Spinne. Ich hoffe, es wurden keine Tiere für dieses Hörspiel gequält.
95:49
Es gibt, gut, dass Rico am Schluss den Rahmen schließt und wiederkommt, ist jetzt keine eigene Geschichte, aber es gibt noch so eine Mini-Geschichte drin. Weißt du, was ich meine? Also wir haben die vier Hauptgeschichten, eine Mini-Rico-Geschichte am Schluss und ganz am Anfang.
96:06
Mit der Katze? Ja. Wieder eine Katze.
96:08
Eben, das ist die Katze von der Folge 3.
96:11
Also er sagt nicht, es ist die Weiße, aber es ist für mich... Weil ihm der Katze aufgehört dann bei Folge 3.
96:16
Stimmt.
96:16
Genau. Und das ist ja der Grund da überhaupt, sich zu verfahren und alles.
96:21
Ich meine, die Folge 3 ist jetzt für uns nur ein Monat her und für die damaligen Hörenden über... Ein halbes Jahr. Nee, sogar länger in dem Falle. Das ist die Katzenfolge sehr Anfang. 1954 entstanden, das so fast ein Jahr später. Erschließt sich das vielleicht nicht so schnell, aber für uns jetzt so im Hören des schnellen Hintereinanders war das für mich ganz klar, die Katzen, nur mal kurz die Straßenseite gewechselt.
96:43
Dann freue ich mich wirklich auf den nächsten Ferry. Ob Rico wiederkommt? Ja, oder einen Töff oder nochmal die Katze oder was auch immer. Eine Spinne.
96:51
Tut mir leid.
96:52
Ich finde das wirklich schön. Würde mich sehr freuen, wenn Sie da so ein Element weitergezogen haben. Und wenn ich weiß, dass der Spinne gut geht. Okay. Also, wir hören uns nächste Woche wieder mit einem Krimi. Bis zum nächsten Mod. Macht's gut.
97:22
Das war ein Podcast von SRF.
97:25
Produziert im Auftrag der SRG.